Tag 5: Fähre nach Marokko


Zum ersten Mal auf der Rallye in einem Zelt aufzuwachen war besser, als befürchtet: Wie auf den Fotos von gestern zu sehen war der Sonnenaufgang herrlich! Wir packten unser Zelt ein, rollten die Schlafsäcke auf, und putzen uns mit Mineralwasser die Zähne. Auch die anderen Teams waren schon in freudiger Erwartung der Fährenüberfahrt nach Marokko.

Treffpunkt war 12:00 Uhr auf einem Parkplatz im Hafen von Algeciras, wo die Bürokratie erledigt wurde und es ein Briefing aller Teilnehmer durch die Organisatoren gab, damit wir auch alle gut auf den Afrikanischen Kontinent kommen.

Die "Sachsenoldies" haben uns am Parkplatz darauf hingewiesen, dass wir die Landkarte auf unserer Heckscheibe etwas modifzieren müssen: Das Wort "Westsahara" sollten wir besser mit etwas Klebeband abdecken, denn das mag man in Marokko zwecks Grenz- und Gebietsstreitigkeiten nicht so sehr. Wir haben die Karte einfach von Google Maps kopiert, daher haben wir uns da eher weniger Gedanken drüber gemacht. Also etwas abkleben :-)

Pünktlich um 16:00 Uhr befuhren/betraten wir die das riesen Fährenschiff, wo wir Brunhilde neben den anderen Rallye-Autos am Fahrzeugdeck des Schiffes abstellten. Ein paar Minuten später befanden wir uns schon in der Schlange vor dem Marokkansichen Grenzpolizisten, der auf der Fähre Einreisestempel verteile. Jeder bekam eine Nummer in den Pass gestempelt, die zur Ein- und später Ausreise nötig ist. Pflichtprogramm waren dann noch ein Gruppenfoto aller Rallye-Teilnehmer, und Selfies vor dem "großen Berg" von Gibraltar. Schon ein paar Minuten nach Abfahrt in Spanien sahen wir das Marokkansiche Festland, die Distanz ist echt kurz!

Angekommen im Hafen von Tanger hüpften wir alle in unsere Rallye-Flitzer und machten uns frohgelockt, aber auch ein wenig angespannt, auf den kurzen Weg zum Marokkansichen Zoll. Angespannt deshalb, weil wir eine Drohne dabei haben, die streng genommen in Marokko verboten ist. Die Oraganisatoren der Rallye haben uns den Tipp gegeben, sie gut zu verstecken, dann sollte das kein Problem sein. Wir haben unsere DJI Spark in ihre Einzelteile zerlegt, und in Wurfzelt, Schalfsack und Rucksack versteckt.

Zu diesem Zeitpunkt war unsere Drohne noch unsere größte Sorge, doch das sollte sich schnell ändern.

Nach den 300 Metern zur Zollstation wurden wir an eben dieser von den Grenzpolizisten angehalten. Alle Teams (rund 25 Autos) waren im Konvoi unterwegs, standen also alle in zwei Reihen hintereinander. Zufällig waren wir (und die "Sachsenoldies") ganz vorne, und das war ein Problem. Problem aus folgendem Grund: Die Grenzpolizisten waren natürlich nicht ganz dumm, und haben sofort gefragt, was denn unter dem Klebeband auf der Landkarte auf unserer Heckscheibe sei. Auch die Sachsenoldies hatten selber eine Landkarte auf ihrem T4, wo ein Aufkleber genau über Westsahara geklebt war. Aus uns unergründlichen Gründen machte das offenbar die Grenzpolizisten so wild, dass sie uns alle zum "Scanner" schickten.

Der Scanner ist ein großes "Röntengerät", wo ganze Autos und Lastwagen durchleutet werden können. Auch die Organisatoren waren etwas irritiert, kannten aber den Weg durch den Hafen (hier noch im Niemandsland) zu besagtem Scanner.

Und so machte sich die ganze Kolonne auf den Weg zu der angegebenen Scan-Station. Für uns Dakarnators, an diesem Punkt im hinteren Drittel des Konvois, sahen die nächsten 2 Stunden aus wie warten, doch später erfuhren wir, dass wir nicht nur gewartet haben. Anscheinend sind wir alle auch beim Scanner angekommen, nur der Scan-Bedien-Mensch wollte uns nicht scannen. Er schickte uns zurück zum Zollpolizisten. Der hatte grade Schichtwechsel, und war absolut überzeugt davon, dass wir scannen müssen. Also alle wieder zurück zur Scan-Station, wo abermals ein Scan-Operator die Nerven beim Anblick unserer tollen Rallye-Autos wegschmiss und uns ohne Scan zurück zum Zoll schickte. Er war laut Erzählungen der Teams weiter vorne in der Schlange soweit, selber zur Zollstation mitzufahren, und dort dem Zöllner die Lange zu erklären, verschwand dann aber unter mysteriösen Umständen in der schon angebrochenen Dunkelheit der afrikanischen Nacht. Der Zolltyp soll anscheinend wieder komplett ausgeflippt sein, und schickte uns nun zum dritten Mal zum Scanner, jetzt aber zu einem anderen. Dort angekommen fanden wir etwas motiviertere Scanner-Menschen vor, die uns dann auch wirklich scannen wollten. Hieß aber leider, dass wir wieder über eine Stunde auf unseren Scan warten mussten, ehe dann je 3 Autos durchleuchtet wurden. Kommentar gab es keinen, sondern nur einen Zettel mit einer Nummer, die anscheinend den Zöllner zu interessieren hat.

In der Wartezeit auf den Scanner haben wir nochmals mit den Organisatoren gesprochen, und entschlossen, den Aufkleber auf der Heckscheibe etwas kreativ zu modifizieren, um auch später in Marokko keine Probleme mit Polizei und Einheimsichen zu bekommen. Auch zwei andere Teams nahmen Aufkleber ab, um die Marokkaner nicht zu verärgern. Zumindest die halbe Distanz hat unser Heckscheibenaufkleber durchgehalten ;-)

Nach einer gefühlten Ewigkeit in der Schlange zum Scanner ging es wieder zurück zum Zöllner, der so überfordert mit unserer Einreise war, dass wir abermals über eine Stunde in einer Schlange nicht beim, sondern vor dem Zoll warten mussten. Als dann - es war jetzt schon nach 22 Uhr - auch noch einige Fährenschiffe mit einheimischen Autos ankamen, war das Chaos fast perfekt. Die Organisatoren haben offenbar stundenlang mit den Polizisten disktuieren müssen, bis wir endlich zum Zoll fahren durften, wo wir dann abermals 45 Minuten lang warteten.

Eines der Problemchen war, dass wir drei "Pritschenwagen" dabei hatten, die auf die Frage "habt ihr Hilfsgüter dabei" leider mit "Ja" geantwortet haben, und dadurch durch den Zöllner als LKW mit Gütern eingestuft wurden. Ob die drei es auch später durch den Zoll geschaft haben wissen wir (noch) nicht.

Angekommen in der Schlange am Zoll gab es die nächste Herausforderung zu meistern: Wir waren das letzte Auto am Zoll, alle vor uns waren etwas schneller durch. Als der Zöllner dann endlich mit unserem erlösenden weißen Zettel, den wir später auch für die Ausreise brauchen, angetanzt ist, kontrollierte er nochmal das Kennzeichen, und merkte schnell, dass sein Kollege am Fährenschiff dieses falsch abgeschrieben hat. Also zurück in sein Wartehäußchen, neue Papiere ausstellen. 20 Minuten später kam er abermals mit dem erlösenden Papier, und abermals hat sich ein Marokkaner vertippt, nämlich er! Wieder 15 Minuten später und nach dem dritten Versuch überreichte er dann Michael den nun endlich korrekten Zettel mit den Worten "So Michael (Mikel), you can go now :-)" in auch selber sichtlich erleichtertem Tonfall. Es war zu diesem Zeitpunkt 11:45 lokaler Zeit, sprich 00:45 Uhr in Österreich, und die Dakarnators schon etwas müde.

Das Pflichtprogramm war aber noch immer nicht vorbei: 300 Meter nach dem Zoll gab es ein paar Container mit Banken und Versicherungen, wo wir uns Geld (Diram) und eine KFZ-Versicherung holten. Nach je 2 Versuchen bei 4 verschiedenen Bankomaten klappte es dann beim 9ten Versuch endlich, und wir hatten 2000 frische Diram in der Hand. Dann noch schnell 2000 von Euro-Bargeld gewechselt, und wir waren flüssig :-) Die KFZ-Versicherung kostete dann nochmal €92, was Dominik etwas spanisch (marokkansich?) vorkam, denn zuvor getroffene Teams sagten irgendwas von €64! Gleich wieder zurück zum Versicherungstypen und den etwas böse angeschaut, stellt sich heraus, dass er allen anderen eine Versicherung für 10 Tage, uns aber für 1 Monat verkauft hat! Nach einem zweiten bösen Blick erklärte er sich aber bereit, unsere Versicherung umzutauschen und wir bekamen unser Geld zurück.

Rund 20 Kilometer nach dem Hafen fanden wir dann eine große Total-Tankstelle vor, wo wir Benzin und eine SIM-Karte für Marokkansiches Mobilfunknetz kauften, um auch hier noch Logbuch-Einträge machen zu können ;-) Auf dem Weg dahin trafen wir leider schon das erste Team, welches abgeschleppt wurde, und auf der Tankstelle warteten auch andere TEams noch auf die Pechvögel.

Eine Stunde später - 0:45 Marokkanischer Zeit, 1:45 Österreichischer Zeit - lagen wir dann erfolgreich im Zelt am Campingplatz, der auch im Roadbook erwähnt wurde, und schliefen in gefühlt 10 Sekunden tief und fest ein. Und die Drohne auch :-)