Tag 6: Briech, Rallye-Berge, Camping


Der erste Morgen in Afrika begrüßte uns mit einem Frühstück mit Blick auf das Meer :-) Wir tauschten eifrig Routenpläne mit anderen Teams aus, ehe wir dann unseren Weg - etwas abseits der "offiziellen" Route - starteten.

Doch zuerst war noch Geo-Caching angesagt: Ein Cache war in der Nähe des Campingplatzes versteckt, und so machten wir uns rund 4km vom Startpunkt weg auf die Suche nach einem alten römischen Amphietheater nicht weit von der Straße. Nach einem kleinen Spaziergang fanden wir es auch, und machten ein paar herrliche Fotos! Beim Rückweg kam dann schon ein Marokkaner, und erklärte uns, dass hier "no trespassing" sei, und wir den Zaun um das Gelände doch nicht hätten ignorieren sollen ;-) Aber nach zweimal Schulterzucken und lächeln waren er und Michael schon Freunde, und er wünschte uns noch eine gute Reise.

Die Route führte uns über ein sehr weitläufiges Hochpleatau, wo es gefühlte 20 Kilometer geradeaus ging. Wenig Verkehr und noch weniger Kurven machten uns möglich, die Geschwindigkeitsgrenzen von Brunhilde auszutesten. Das Ergebnis kann man am GPS-Tracker sehen.

Die nächsten Kilometer lernten wir dann auch, dass der Spruch "Afrika ist anders" wohl vom Verkehr kommt - hier wird gefahren, als ob die Straße eine Spur mehr hätte und Autos unsterblich seien. Wir hatten dabei aber unseren Spass, und finden das eher lustig als beängstigend :-)

Ein weiteres Merkmal von Marokko sind die nicht aufhören wollenden Kreisverkehre: Gefühlte 50 dieser Verkehrs-technischen Weltwunder haben wir an diesem Tag durchquert. Man merkt eben, dass Marokko ein bisschen was mit Frankreich zutun hat/hatte.

Um 16 Uhr zeigte unser Navigationssystem noch rund 1 Stunde zum Zielpunkt an. Michael kontrollierte nochmal die Koordinaten, und bemerkte, dass Dominik den falschen See auf der Landkarte angesteuert hat - das eigentliche Ziel (ein Campingplatz) war 4 Stunden weiter weg! Und so mussten wir eine spätabentliche Rallye-Sonderprüfung einlegen! Und was für eine!!

Als wir nämlich schon rund 45 Kilometer vor dem Ziel waren, zeigte das GPS noch immer über 1,5h Fahrzeit an, was irgendwie komisch war. Ein näheres Betrachten der Landkarte zeigte eine Bergstrasse, und geanu diese sollte uns soviel Zeit kosten. Leider war zu diesem Zeitpunkt, obwohl wir viel auf flachem Terrain gefahren sind, auch die Ölstandüberprüfungskontrolleuchte voll in Action, und so machten uns die 45 km Serventinen auf der Landkarte etwas Sorten.

Der Vorteil an spätabentlichen Nachtfahrten waren unsere Scheinwerfer: Wir sahen die Strecke vor uns fast Tag-hell, und wir konnten auch den Gegenverkehr schon aus Kilometern Entfernung sehen. Und so mussten wir - um genügend Luft für den Kühler zu bekommen und auch die Drehzahl für die Ölpumpe hochzuhalten - den vollen Rallye-Attacken-Modus aktivieren :-)

Die letzten 30 Kilometer saßen also Michael mit zwei Handys und darauf zwei Landkarten als Beifahrer, und Dominik als Renn-Fahrer, auf einer echten Sonderprüfung, Rallye-Kommandos wie "in 100 Meter Serventine links - inklusive!

Gegen 21 Uhr haben wir dann auch das Dorf erreicht, wo der Camping-Platz sein sollte. Doch auf der "Hauptstraße" waren rund 200 Leute, die irgendwie lautstark geweint haben. Nach 10 Minuten löste sich die Menschentraube auf, und auf einmal sahen wir, wo das Problem lag: Die Menschen versammelten sich um einen Leichenwagen, und daher die troße Trauer.

500 Meter weiter fanden wir dann den beschriebenen Camping-Platz, wo wir eigentlich dachten, dass wir sicher die einzigen sein werden. Doch siehe da: Drei andere Teams waren schon dort, und hatten die 45km Rallye-Strecke bereits mit gehörig Rum und Wein gefeiert :-) Als dann um 00:30 Uhr ein weiteres (und für diesen Tag letztes) Team am Camping-Platz eingetroffen ist, war die Stimmung endgültig am Höhepunkt, und so wurden die "Ostseeheringe" mit lautem Applaus begrüßt.